Inflation – Warum alle von der Geldentwertung betroffen sind!

Vielfach ist jetzt wieder von einer Zunahme der Inflation zu hören. Und tatsächlich haben die meisten Konsumenten zu Recht eine gewisse Angst vor einer möglichen Geldentwertung. Denn von der Geldentwertung sind alle betroffen, weil jeder – in irgendeiner bestimmten Art – z.B. durch Konsum am Wirtschaftskreislauf teilnimmt.

Konsum im Wirtschaftskreislauf
Konsum im Wirtschaftskreislauf

Einer Inflation kann praktisch niemand durch Verhaltensänderung oder andere Kapitalanlageentscheidungen wirklich entgehen. Dennoch kann man eine Inflation durch höhere Rendite bei Kapitalerträgen oder mit steigenden Löhnen entwegenwirken und ihre Folgen dadurch zumindest abschwächen. Dazu muss man allerdings erstmal verstehen, wie Inflation genau Funktioniert.

Funktionsweise der Inflation

Inflation ist praktisch der lateinische Fachbegriff für das Phänomen der Geldentwertung. Einfach ausgedrückt, es ist schlicht zu viel Geld im Umlauf. Dadurch kommt es zu einer Verschiebung des Verhältnisses von Kaufpreis und Gegenwert an Waren oder Dienstleistungen. Du musst also für dasselbe Produkt oder die selbe Dienstleistung einfach mehr Geld bezahlen.

Um dies zu verstehen, stellen wir uns folgendes fiktives und sehr vereinfachtes Beispiel vor:

Handel Bild
Handel

Es gibt auf einer Inselstadt, welche komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist, nur einen einzigen Fernseher. Dieser Fernseher gehört dem Händler um die Ecke. Die Stadt möchte den Fernseher gerne für das Rathaus vom Händler abkaufen. Der Händler weiß natürlich wie wertvoll sein Unikat ist und verlangt alles Geld der Stadt dafür. In unserem Beispiel sind 1000 Euro in der Stadtkasse. Die Stadt willigt ein.

Geld drucken Bild
Geld drucken

Doch kurz bevor es zu dem Handel kommt, beschließt die Stadt einfach neues Geld zu drucken, da die Stadtkasse sonst nach dem Kauf Pleite sein würde und die Straßensannierung auch noch ansteht. So druckt die Stadt einfach zehn neue 100 Euro Scheine. Der Händler erfährt natürlich davon und ist darüber sehr erbost. Er möchte vom Verkauf zurücktreten, denn seine 1000 Euro sind nämlich nicht mehr alles Geld der Stadt sondern nur noch die Häfte (vorher 1000 Euro in der Kasse, jetzt zusätzlich die zehn neugedruckten 100 Euro Scheine macht insgesamt 2000 Euro in der Stadtkasse). Der Händler fühlt sich über den Tisch gezogen, denn es gibt weiterhin nur einen Fernseher und niemand könnte einen zweiten Fernseher produzieren oder importieren.

Aus diesem Grund verlangt der Händler nun 1500 Euro für seinen Fernseher und von den übrigen 500 Euro in der Stadtkasse bliebe noch genügend Geld zum Straßenbau übrig. Die Stadt willigt ein und beide Parteien sind am Ende zufrieden.

Fazit

50 Prozent Bild
50 Prozent

Die Inflation bezogen auf den Warenwert des Fernsehers beträgt in diesem fiktiven und zugegeben sehr stark vereinfachten Beispiel satte 50%. Der Kunde, in diesem Fall die Stadt, musste 500 Euro mehr für den Fernseher hinlegen als urspünglich verlangt, da es durch das Drucken von neuem Geld für den Händler nicht mehr profitabel war für den Fernseher nur 1000 Euro zu verlangen, der Fernseher ist viel Wertvoller, da er nicht einfach wie das Geld, neu gedruckt werden konnte. Das Geld wurde durch die neu in Umlauf geratenden Banknoten weniger wert.

Geldentwertung = Inflation

Wäre es umgekehrt gewesen und es hätte plötzlich viel mehr Fernseher durch neue Händler gegeben uind die Stadt hätte keine Gelddruckmaschine besessen, wäre die Stadt nicht auf den Handel eingegangen und hätte weniger bei der Konkurrenz bezahlen wollen. Die Preise wären in der Folge gesunken und es wäre zu einer Deflation gekommen, da das gesamte Geld der Stadt (die 1000 Euro) plötzlich viel mehr Wert gewesen wäre, als ein Fernseher den es überall zu kaufen gibt und ein anderer Händler sich sicher mit weniger zufrieden gibt.

Geldaufwertung = Deflation

Auswirkungen der Inflation

Benzin Preise steigen Bild
Benzin Preise steigen

In einer funktionierenden Wirtschaft wie beispielsweise in Deutschland wird von den Zentralbanken i. d. R. eine Inflation von etwa zwei Prozent angestrebt. Im Jahr 2018 liegt die Prognose für die Inflation in Deutschland tatsächlich etwa bei 2 %. Wie in dem obigen Beispiel versucht darzustellen, bedeutet dies, dass das Geld immer weniger Wert ist. Natürlich bleibt die Geldmenge gleich, also wenn man 2000 Euro verdient, reduziert sich dieser Verdienst nicht um zwei Prozent in 2018 sondern die Waren und Dienstleistungen (Lebensmittel, Benzin usw.) kostet einfach zwei Prozent mehr. Mit anderen Worten, man bekommt einfach weniger für sein Geld. Dabei ist natürlich ein Problem, da Dein Lohn oder Gehalt nicht zwangsläufig im selben Ausmaß erhöht wird. Dies versuchen Gewerkschaften daher im Sinne der Arbeitnehmer regelmäßig durchzusetzen. Leider gibt es in vielen Betrieben keinen gewerkschaftlichen Beistand.

Die Preise steigen bei Inflation.

Mieten steigen Bild
Mieten steigen

Es kann also durch die Geldentwertung dazu kommen, das Du Dir viele Dinge einfach nicht mehr leisten kannst. Das Fatale dabei ist, dass auch existentielle Grundbedürfnisse wie Miete, Essen und Autofahren von der Geldentwertung betroffen sind. “Technische” Grundvoraussetzung für dieses Phänomen ist also eine aufgeblähte Geldmenge. In der Praxis bedeutet das, dass die Notenbanken, die das Geld ausgeben, in einen verhängnisvollen Kreislauf geraten. Sie müssen mehr Geld drucken, um die Wirtschaft anzukurbeln und den Preisanstieg teilweise durch immer neues Geld auszugleichen. Dadurch beschleunigt sich aber auch dieser Preisanstieg. Im Extremfall muss das Geld abgewertet oder sogar eine Währungsreform durchgeführt werden. Dann wird ab einem bestimmten Stichtag eine völlig neue Währung ausgegeben. Diese Währung wird dann weniger Geld in der Menge umfassen. In Deutschland gab es dieses Szenario bereits zweimal in der Geschichte (1923 und 1948).

Gefühlte Inflation noch etwas anders definiert

Produkte im Warenkorb
Produkte im Warenkorb

Neben der offiziellen Definition von Inflation, die sich aus der Berechnung bestimmter Preisindexe bzw. Warenkörbe ergibt, ist auch noch das Phänomen der gefühlten Inflation bekannt. Hierbei hat der Konsument den Eindruck, dass in seinem alltäglichen Konsumverhalten die Preise überall anziehen. Trotzdem kann es dann sein, dass diese kleine persönliche Geldentwertung (zum Beispiel Gemüse wird teurer, Sprit und weitere Konsumgüter) noch nicht zu einer amtlichen Feststellung führt, weil zur Feststellung der Geldentwertung vom Staat teilweise auch Konsumgüter und Preise herangezogen werden, die nicht im Warenkorb jedes normalen Haushaltes vorkommen.

Ursachen der Inflation

Neben den Ursachen, dass die Geldmenge oder die Geld-Umflaufgeschwindkeit zunimmt, gibt es noch zwei weiteren Ursachen, die jedoch eher in der Produktion zu suchen sind. Eine Preissteigerung kann auch durch eine erhöhte Nachfrage nach Gütern entstehen. Wenn die Produktion dann nicht dieser erhöhten Nachfrage angepasst werden kann, müssen dagegen die Preise angehoben werden, weil die Nachfrage das Angebot an Waren oder Dienstleistungen übersteigt. Bei der anderen Ursache liegt der Auslöser der Geldentwertung auch auf der Seite der Produktion. Die Produktion wird teurer und die steigenden Kosten müssen auf die Preise umgelegt werden. Dadurch muss der Konsument für ein Gut mehr bezahlen. Die Folge, dass mehr Geld gedruckt werden muss, ist aber in beiden Konstellationen gleich.

Folgen und Inflationsschutz

Niemand kann sich leider der Inflation entziehen, aber man kann ihre Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel abmildern. Durch die Inflation ist Bargeld oder das unverzinste Geld auf dem Girokonto jeden Tag etwas weniger wert. Besitzer von Bargeld verlieren so kontinuierlich einen Teil Ihres ersparten Vermögens, weil das Geld durch die Geldentwertung im übertragenden Sinne abnimmt. Dagegen behalten Sachgüter auf jeden Fall ihren reinen Substanzwert oder steigen sogar in ihrem Wert. Daher sollte man bei hoher Inflation z.B. eher in Immobilien, Edelmetalle wie physisches Gold oder Silber oder Aktien als sicheren Hafen für sein Geld wählen.

Goldmünzen
Goldmünzen

Beim erwirtschaften der eigenen Rendite auf sein Erspartes, egal um welche Anlageform es sich handelt, sollte man immer die Inflation in die Berechnung miteinfließen lassen. Beispielsweise wäre bei einer sehr optimistisch angenommenen jährlichen Verzinsung von ca. zwei Prozent aufs Festgeld und einer ausgewiesen Inflation von zwei Prozent der Ertrag gleich Null Prozent. Das Geld würde sich lediglich im Wert erhalten, aber sie würden keinen Cent erwirtschaften. Die Kapitalertragssteuer ist hierbei mal aufgrund des Sparerpauschbetrags ausgeklammert, da es sonst sogar ein Minusgeschäft wäre.

Daher sollte man den Aspekt der Inflation auch nicht bei einer privaten Rentenvorsorge außer acht lassen. Bei durchschnittlich zwei Prozent jährlicher Inflation besitzt eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer monatlichen Auszahlung von 1000 Euro in 30 Jahren – dann wenn ein Versicherungsfall wahrscheinlich werden könnte – nur noch eine Kaufkraft von ca. 550 Euro. Wie soll man damit dann leben? Aus diesem Grund bieten Versicherer immer häufiger einen dynamischen Beitragszuwachs an.

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