Wie das Tulpenfieber die Börse zusammenbrechen ließ

Noch heute beschreibt die Tulpenmanie ein klassisches Muster, bei dem die Gier der Anleger und der Händler für eine Spekulationsblase an den Börsen sorgt. Der Begriff hat einen historischen Hintergrund, und der Ursprung liegt bei einer ganz einfachen Tulpenzwiebel. Diese war im 16. Jahrhundert ein begehrtes Spekulationsobjekt. Es war das Zeitalter der Renaissance, die Zeit der Hochblüte der Niederlande und vor allem ein Zeitalter der Kunst.

Garten mit Tulpen - Bild
Garten mit Tulpen

Könige, Herzöge und Bürger wollten ihre Gärten schmücken. Dafür war die Tulpe die beste Lösung. Diese Blumenart erfreute sich damals, heute übrigens ebenfalls, einer großen Beliebtheit. Amsterdam war eines der wichtigen Zentren für den Tulpenhandel, denn in den Niederlanden wurde die Blume professionell gezüchtet. Die niederländischen Züchter galten und gelten als Profis in ihrem Bereich. Die erste Unterteilung nach Sorten, sowie viele weitere wichtige Neuerungen rund um die Zucht der Tulpe haben ihren Ursprung bei den Züchtern aus Holland.

Wie sich der erste “Börsencrash” entwickelte

Tulpenzwiebel - Bild
Tulpenzwiebel

Man darf sich natürlich eine Börse für Tulpen zu jener Zeit nicht so vorstellen wie heutige Wertpapier-Börsen. In der Regel wurden die Tulpenzwiebeln an der Amsterdamer Gracht und in Harlem gehandelt. Vor allem die Wirtshäuser des Bezirks waren ein beliebter Treffpunkt für Händler und Käufer. Da sich die Blume und ihre Zwiebel einer stetig steigenden Beliebtheit erfreute stiegen die Preise kontinuierlich an. Hier beginnt auch schon der Abschnitt, in welchem die Gier eine große Rolle spielt. Findige Händler setzten auf steigende Preise und versuchten gleichzeitig, sich schon vorzeitig den Zugriff auf die wertvollen Zwiebeln zu sichern. Aus diesem Grund wurden Termingeschäfte zu einem bestimmten Wert abgeschlossen. Das bedeutete dann natürlich, dass der Händler die Zwiebeln möglichst teurer verkaufen wollte.

Das Platzen der Blase

Als das Tulpenfieber ausbrach kamen schnell utopische Preise zustande, die in keinster Weise den Bedarf und die Realität abbilden konnten. Die Spekulation der Händler zielte darauf ab, dass sich das Tulpenfieber immer weiter entwickeln würde und dementsprechend auch die Preise steigen. Den Höhepunkt der Blase bildete der Preis von 90.000 Gulden für 99 Tulpenzwiebeln am 3. Februar 1637 in Alkmaar. Was heute – je nach historischen Wechselkurs – etwa über fünf Millionen Euro entspricht. Es kam wie es kommen musste und die erste Blase der Geschichte platzte kurz darauf in Harlem, Amsterdam. Schon am 5. Februar 1637 konnten bei einer Versteigerung in einem der Wirtshäuser keine Zwiebeln mehr verkauft werden. Das führte zu einer Kettenreaktion. Innerhalb weniger Tage verfiel der Preis für Tulpenzwiebeln und Händler, die bereits ein Termingeschäft für die nachfolgende Erntesaison abgeschlossen hatten mussten nun mit starken Verlusten rechnen.

Wirtshäuser in Harlem - Bild
Wirtshäuser in Harlem

Der Verlauf der Krise ist sehr ähnlich dem, wie er immer wieder in unserer heutigen Zeit statt findet. Die Gier im Handel und bei den Anlegern sorgte für eine völlige Überbewertung des Wertes einer Tulpenzwiebel. Am Ende der Krise stand der Bankrott einiger Anleger, vieler Händler und zahlreiche weitere persönliche Katastrophen.

Folgewirkungen und Rezeptionen

Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungen und wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema. Das Besondere an der Tulpenmanie ist, dass es sich um einen der ersten Wirtschaftscrashes handelt bei dem man das Geschehen fast minutiös verfolgen konnte. Fakt ist, dass der Crash der Tulpenpreise keine wirklich großen Auswirkungen auf die Wirtschaft der Niederlande hatte.

Börsencrash - Bild
Börsencrash

Also ist er auf keinen Fall vergleichbar mit dem “schwarzen Freitag”, oder anderen einschneidenden Geschehnissen in der Neuzeit hinsichtlich der Dimension. Aber vom Verlauf und von seiner belegten Entstehung her erkennt man an diesem Vorgang sehr genau, wie ein Crash entsteht. Es gibt zu fast jedem Börsencrash der Moderne eine geradezu herausstechende Parallele zur Tulpenmanie im 16. Jahrhundert. Das Geschehen ist so gut verwertbar, dass es sogar Einzug in die Kunst und die Literatur erhalten hat. Es gibt sogar einen eigenen Film “Tulpenfieber”, sowie zahlreiche weitere künstlerische Rezeptionen zu diesem Thema. Wer eine Ausbildung an der Wallstreet, oder an einer der anderen Börsen macht wird zwangsläufig auf diesen Begriff stoßen. Die Tulpenmanie der Niederlande gilt bis heute als Musterbeispiel für Gier, und die Gefahr die durch eine Blase entstehen kann.

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