Private und gesetzliche Krankenversicherungen – worin liegen die wichtigsten Unterschiede?

Eine gesetzliche oder private Krankenversicherung zu haben, ist in Deutschland Pflicht. Die Frage ist, welche Versicherungsform für den individuellen Versicherten mehr Vorteile birgt. Je nachdem, welche Leistungen in Anspruch genommen werden, welcher Beruf ausgeübt wird und wieviel Geld man im Alter sparen kann, ist eine andere Versicherung sinnvoll. Wir beantworten alle Fragen, die sich bei der Wahl der richtigen Versicherungsform stellen.

Beruf und Krankenversicherung - Bild
Beruf und Krankenversicherung

Wer darf eine private oder eine gesetzliche Krankenversicherung in Anspruch nehmen?

Monatliches Gehalt entscheidend - Bild
Monatliches Gehalt entscheidend

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nimmt jeden Bürger auf und entspricht damit den Regelungen zur freiwilligen Versicherungspflicht. Alle Arbeitnehmer, die aktuell über ein monatliches Bruttoeinkommen von bis zu 4.950 Euro verfügen, sind automatisch gesetzlich versichert. Grund ist die jedes Jahr aufs neue festgelegte Versicherungspflichtgrenze und nicht – wie oft fälschlicherweise angenommen – die Beitragsbemessungsgrenze. Die private Krankenversicherung (PKV) stellt für Arbeitnehmer, die mehr als 59.400 Euro im Jahr oder mehr als 4.950 Euro im Monat verdienen, eine Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung dar. Diese ist jedoch freiwillig, sofern die Beitragsbemessungsgrenze erreicht ist. Die Regelung gilt zudem nicht für Selbstständige, Beamte, Freiberufler und Studierende. Diese können eine private Krankenversicherung unabhängig vom Einkommen abschließen. Die Altersgrenze ab 55 Jahre gilt für alle, die zuvor nicht in Deutschland versicherungspflichtig waren.

Welche Regelungen gelten für Familien?

Kinder mitversichert? Bild
Kinder mitversichert?

Eine Familienversicherung besteht in dem Sinne nur bei einer gesetzlichen Krankenversicherung. Hier sind die Ehepartner und Kinder bis zum Alter von 25 Jahren bei einem geringen Einkommen, das maximal 450 Euro im Monat beträgt, kostenlos familienversichert. Dennoch bestehen bei einigen privaten Krankenversicherern Tarife für Familien. Grundsätzlich müssen jedoch alle Kinder selbstständig versichert sein und sind nicht mitversichert. Bei Familien mit mehr als einem Kind muss jedes Kind extra mitversichert werden. Für Kinder ist wichtig zu beachten, dass der Wechsel von privat zu gesetzlich nur zu bestimmten Zeiten erfolgen darf, zum Beispiel mit Aufnahme oder Abschluss des Studiums. Ansonsten kommen auch auf Berufseinsteiger hohe Kosten zu. Ein Wechsel ist hierbei langfristig zu planen.

Welche Leistungen umfassen eine private und gesetzliche Krankenversicherung?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind vorgeschrieben und entsprechen damit der sogenannten Regelversorgung. Das bedeutet, dass die Arzt- und Krankenhauswahl eingeschränkt ist, ein Mehrbettzimmer bei einer Krankenhausbehandlung vorgesehen ist und die Behandlung durch den diensthabenden Arzt stattfindet. Bei einer privaten Versicherung können die Versicherten dagegen selbst entscheiden, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen möchten. Bei einem Basistarif sind die Leistungen der PKV mit denen der GKV vergleichbar. Je nach Zusatztarifen steigen der Betrag und Anzahl der Leistungen, die man über die private Versicherung abrechnen kann. Darunter zählt die freie Arzt- und Krankenhauswahl, eine Chefarztbehandlung, die Erstattung von Zahnersatz und Sehhilfen sowie ein Einzel- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus. Für diese Beiträge müssen die meisten Menschen jedoch lange sparen.

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Wie unterscheiden sich die Kosten zwischen einer privaten und gesetzlichen Krankenversicherung?

Die gesetzliche Krankenversicherung finanziert die Kosten zum einen über den sogenannten Sockelbeitrag, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Einen weiteren Anteil tragen die Versicherten selbst. Dieser Zusatzbeitrag liegt derzeit bei circa 1,0 % des Bruttoeinkommens und berechnet sich durch die Beitragsbemessungsgrenze. Die Beitragsbemessungsgrenze bezeichnet im deutschen Sozialversicherungsrecht eine Rechengröße. Durch sie wird bestimmt, bis in welcher Höhe das Arbeitsentgelt oder die Rente bei gesetzlich Versicherten für die Beiträge der gesetzlichen Kasse herangezogen wird. Diese Regelung gilt nicht für Beamte und Selbstständige, da diese den kompletten Beitrag selbst zahlen müssen. Die Abrechnung der GKV läuft über das Sachleistungsprinzip. Hierbei werden die Behandlungskosten durch Ärzte und andere Leistungserbringer direkt mit der Krankenkasse abgerechnet. Außer den Beiträgen für die GKV kommen auf den Versicherten für alle übernommenen Leistungen keine Zusatzkosten auf. Zudem gilt das Solidarprinzip. Das bedeutet, dass die Beitragshöhe ausschließlich über das individuelle Einkommen berechnet wird.

PKV Beiträge steigen unabhängig vom Einkommen auch im Alter - Bild
PKV Beiträge steigen unabhängig vom Einkommen auch im Alter

Dieses Prinzip gilt nicht für die private Krankenversicherung. Hier richtet sich der Beitrag für die Kasse nicht nach dem Einkommen, sondern nach Beruf, Alter und Gesundheitszustand. Auch ein gefährliches Hobby, das freiwillig ausgeübt wird, kann Einfluss auf die Höhe vom Beitrag nehmen. Teilweise zahlt der Arbeitgeber einen Zuschuss. Besonders lohnenswert ist die PKV für Beamte, da diese günstige Beihilfetarife erhalten. Ebenso kann für Unternehmer die PKV finanziell am besten geeignet sein. Mehr Details hierzu findet man z.B. auf dem Unternehmerkanal.

Vor dem Wechsel in die Private Krankenversicherung sollte man allerdings bedenken, dass bei Behandlungen durch Ärzte, ausgenommen stationäre Aufenthalte im Krankenhaus, zunächst alle Kosten vom privat Versicherten selbst übernommen werden müssen. Dazu sollte man etwas Geld sparen. Die Rechnungen werden anschließend bei der privaten Krankenkasse eingereicht, um die Kosten erstattet zu bekommen.

Für wen lohnt sich eine private oder gesetzliche Krankenversicherung?

Die Vorteile als Privatpatient liegen bspw. darin, dass bei der Terminvergabe keine Wartezeiten bestehen und die Behandlung in Krankenhäusern durch Chefärzte durchgeführt wird. Zudem sparen sich privat Versicherte lange Stunden im Wartezimmer. Die Leistungen sind jedoch nur für einen hohen Preis erhältlich und keiner weiß wirklich ob Chefärzte wirklich besser behandeln als ihre Untergebenen.

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung sollte jedoch gut überlegt sein. Es bestehen einige Fallen, die sich häufig erst dann zeigen, wenn es zu spät ist. Ein Wechsel zurück zu der gesetzlichen Krankenkasse ist meist ausgeschlossen. Letztlich lohnt es sich oftmals nur für Beamte und ihre Familienangehörigen, einer privaten Kasse beizutreten. Durch die Beihilfe wird der Beitrag finanziell tragbar. Für alle anderen lohnt sich ein Eintritt in die PKV nur dann, wenn man als junger Gutverdiener Aussicht auf ein konstantes, überdurchschnittlich hohes Einkommen hat und lange für die hohe Beitragszahlung im Alter sparen kann.

Eine private Krankenversicherung lohnt sich nur dann, wenn auch hohe Kosten im Alter nicht zur Belastung werden. Häufig steigt der individuelle Beitrag mit steigendem Alter. Dennoch wird durch die Altersgrenze für alle ab 55 Jahre eine private Kasse zur Pflicht, da dann der Wechsel in eine gesetzliche Kasse faktisch ausgeschlossen ist. Es kann dann nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung gewechselt werden. Dann muss man trotz magerer Rente hohe Beiträge bezahlen. Eine Reduktion in einen Basistarif bleibt dann der letze Ausweg, damit sind dann allerdings auch die Vorzüge einer PKV dahin und die Kosten – im Vergleich zur GKV – immer noch deutlich höher!

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Private Krankenversicherungen in einem Test verglichen und gibt Tipps wie man auch in der PKV im Alter bei den Beiträgen sparen kann.

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