Sparen für die Altersvorsorge ohne Zinsen?

Es ist wirklich zum Jammern, zu Beginn des neuen Jahres erhält man meist von seiner Bank die ernüchternde Zinsabrechnung des vergangenen Geschäftsjahres. Leider muss man dann bitter feststellen, dass das regelmäßig ersparte Geld kaum Zinsen erwirtschaftet hat. Dies ist leider nicht verwunderlich, da die EZB (Europäische Zentralbank) nach wie vor eine ultralockere Geldpolitik fährt. Sie belässt weiterhin die Leitzinsen schon seit längerer Zeit bei Null Prozent. Bei Geschäftskonten erheben einige Banken deswegen bereits Negativ- bzw. Strafzinsen. Unternehmen verlieren also bares Geld wenn sie es auf der Bank “parken” statt es zu investieren. Für Privatkunden hat dies hingegen allgemein zur Folge, dass Banken keine oder nur noch sehr geringe Zinsen auf die (Geld-)Einlagen ihrer Kunden zahlen. Im Gegenteil erheben die Banken stattdessen gerne teure Gebühren. Damit schrumpft das angesparte Geld stetig anstatt zu wachsen. Einen Ausweg können ETF und Fonds bieten.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel

Rechenbeispiel mit Zinseszins
Rechenbeispiel mit Zinseszins

Wenn man 10 Jahre lang jeden Monat 100 Euro auf ein Tagesgeldkonto mit einem konstanten jährlichen Zinssatz von 0,5 Prozent einzahlt, was zugegeben eher eine optimistische Annahme ist, erhalte ich nach 10 Jahren inkl. Zinseszins nur 306,87 Euro Zinsen. >Die Berechnung<

 

Aus diesem Grund sind klassische Bankprodukte wie Sparbücher, Festgeld- oder Tagesgeldkonten vor allem in dieser Niedrigzinsphase für den langfristigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge nicht zu empfehlen. Stattdessen sollte man sich nach sinnvolleren Alternativen umschauen. Eine sehr gute Alternative zum langfristigen Vermögensaufbau kann daher das Fondssparen sein.

Doch was ist eigentlich ein Fonds?

Als Fonds bezeichnet man ein Geldmittelbestand, der zu einem bestimmten Zweck gedacht ist. Vereinfacht ausgedrückt, es zahlen in der Regel viele einzelne Personen Geld in einen “großen Topf” ein. Dieses Geld kann dann in bestimmte Dinge wie Wertgegenstände, Vermögenswerte oder andere Unternehmungen investiert werden. Bei Aktienfonds beispielsweise investiert man das eingesammelte Geld in die Aktien verschiedener Unternehmen. Man hofft darauf, dass diese Unternehmen in Zukunft gute Geschäfte machen, sodass diese Aktien im Wert steigen.

Steigender Aktienmarkt
Steigender Aktienmarkt

Aktienfonds

Eine Aktie ist ein winziger Besitzanteil an einem Unternehmen. Erzielt ein Unternehmen kontinuierlich gute Gewinne, so steigt auch i.d.R. der Wert des Unternehmens. Dies hat wiederum zur Folge, dass auch dessen Aktien steigen. Nun könnte man anstelle eines Aktienfonds auch direkt in die Aktien eines einzelnen Unternehmens investieren. Allerdings hat dies den Nachteil, dass man nur in wenige Unternehmen investieren könnte, da man pro Order (so nennt man den Kauf einer Aktien über die Bank) für die Aktien eines einzelnen Unternehmens, mindestens einen vierstelligen Betrag (z.B. 2000 Euro) investieren sollte.

Bei geringerer Investition fallen die Kauf- und Verkaufsgebühren zu sehr ins Gewicht. So bräuchte man also direkt einen fünf- oder sogar sechs-stelligen Betrag um in viele Unternehmen gleichzeitig investieren zu können um so bspw. das Risikos durch Streuung zu reduzieren. Denn es ist wahrscheinlicher dass ein einzelnes Unternehmen im Wert verliert als bspw. zwanzig Unternehmen verschiedener Branchen zur gleichen Zeit. In diesem Fall ist das Risiko deutlich verteilter (im Fachjargon “diversifiziert”) und dadurch geringer und sollten dennoch einige Unternehmen bzw. Aktien im Wert fallen, könnten die anderen im Wert gestiegen sein und so insgesamt trotzdem eine positive Bilanz aufweisen.

Fonds bieten diese Risikostreuung, da sie mit dem eingesammelten Geld in eine Vielzahl von Unternehmen investieren. Als Anleger benötigt man nur einen vergleichsweise kleinen Betrag um in Fonds einzusteigen und um bereits wie die Großen Börsenluft schnuppern zu können. Es gibt bei vielen Direktbanken Fond-Sparpläne bereits ab 25 oder ab 50 € pro Monat.

Anleihenfonds und weitere Kategorien

Zinsen
Zinsen

Fonds müssen aber nicht zwangsläufig als Aktienfonds daherkommen, auch wenn diese Art einen Großteil der Fonds ausmacht. Neben Aktienfonds gibt es noch zahlreiche weitere Fondskategorien z.B. Geldmarktfonds, Rohstofffonds, Anleihenfonds oder auch Mischfonds zusammengesetzt aus verschiedenen Rubriken.

Relativ häufig findet man noch die Anleihenfonds. Hier wird anstelle von Aktien eines Unternehmens, in Unternehmenskredite bzw. Schuldverschreibungen von Staaten oder Unternehmen investiert. Der Fond tritt damit als Gläubiger für die Unternehmen auf, dessen Anleihen er besitzt. Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie bei einem Eigenheimkredit, die Bank ist dann nicht die Filiale um die Ecke sondern die Fondsgesellschaft und die Kreditzinsen kassiert auch nicht die Bank sondern ebenfalls die Fondsgesellschaft und damit ist auch schon erklärt, wie man durch diese Investition Ertrag erwirtschaftet, nämlich durch Zinsen, die das Unternehmen für den gegebenen Kredit in Form einer Anleihe ausschüttet. Ähnlich wie Aktien, unterliegen auch Anleihen Kursbewegungen, diese sind u. a. abhängig von den aktuellen Marktzinsen, Bonität des Unternehmens und ggf. Währungskursen.

Kursschwankungen

Fonds ermöglichen privaten Anlegern in ein breites Spektrum von Unternehmen oder anderen Schwerpunkten zu investieren und mit wenig Geld eine große Streuung und damit Risikoreduzierung zu erreichen. Es gilt allerdings zu beachten, das Fonds wie jedes andere Wertpapier welches an der Börse gehandelt wird, Kursschwankungen unterliegen und daher sich vor allem für eine langfristige Anlage eignet. Schwankungen gleichen sich besonders mit zunehmender Laufzeit aus, daher sind Sparpläne besonders geeignet. Dies liegt daran, dass durch die regelmäßige Einzahlung, konstante feste Beträge z.B. 50 Euro pro Monat eingezahlt werden. Fällt der Kurs des Fonds erhält man für die 50 Euro verhältnismäßig viele Fondsanteile und man kauft sozusagen billig, steigt hingegen einige Monate oder Jahr später der Kurs wieder, bekommt man für seine 50 Euro weniger Fondsanteile und kauft etwas teurer. Dieser “Effekt” kann somit größere Schwankungen ausgleichen.

Kursschwankungen
Kursschwankungen

Zudem ist bei bei den Kursschwankungen auch das Ausstiegsdatum zu beachten. Damit ist gemeint, dass wenn man das Geld für die Altersvorsorge direkt ab dem Renteneintritt benötigt, sollte man in Betracht ziehen, ob es evtl. sinnvoll ist bei hohen Kursen (dies ist für den Verkauf sehr gut!) auch früher oder später als geplant auszusteigen also zu verkaufen. Das klappt aber natürlich nur dann, wenn man nicht “auf Teufel komm raus” zu einem bestimmten Stichtag auf das Geld angewiesen ist. Denn wenn an diesem Tag gerade die Börse einbricht, verkauft man seine Anteile womöglich mit hohen Verlusten obwohl evtl. ein paar Monate oder Jahre später die Kurse vielleicht schon wieder neue Höchststände erreicht hätten!

Ausstiegs- bzw. Verkaufszeitpunkt

Es ist daher gelegentlich auch zu empfehlen, den Ausstiegszeitpunkt über mehrere Monate oder Jahre zu verteilen, letzteres wäre auch unter steuerlicher Hinsicht (Stichwort: Sparer-Pauschbetrag) sinnvoll. Mit verteilen ist gemeint, dass man seine Fondanteile auch wieder “Häppchenweise” verkaufen kann. Wie man ja quasi über die Jahre für seine monatliche Sparrate eine bestimmte Anzahl von Fond-Anteile erworben hat, kann man diese auch wieder nach und nach verkaufen. Besitzt man bspw. 1000 Fondanteile im Wert von 50 Euro, könnte man sie auf einen Schlag für 50000 Euro verkaufen oder über z.B. 5 Jahre verteilt je 200 Stück pro Jahr usw., das obliegt jedem selbst. Kaufen und verkaufen kann man übrigens seine Anteile i. d. R. jederzeit.

ETF Sparpläne

ETFs (Exchange Traded Funds) sind eine besondere Form von Fonds, welche vor allem für private Anlegern zu empfehlen sind, die einfach nur ein bisschen Börsenluft schnuppern möchten und an den steigenden Märkten z.B. in Deutschland, Europa oder den USA profitieren wollen. Alle oben zuvor beschriebenen Eigenschaften zu Fonds, gelten natürlich weitesgehend auch für ETFs. Zusätzlich haben sie jedoch weitere vorteilhafte Eigenschaften. ETFs bilden nämlich immer nur einen bestimmten Index ab. Ein Index ist z.B. der (deutsche) DAX, der japanische NIKKEI 225, der amerikanische Dow Jones oder der S&P 500. Ein ETF der bspw. den DAX abbildet, investiert exakt in die gleichen Unternehmen wie im DAX. Also in die 30 größten deutschen börsenotierten Unternehmen (Adidas, Allianz, BASF, Bayer usw…).

Somit ist der Kursverlauf des DAX-ETFs genau der gleiche wie im DAX. Steigt der DAX im Kurs, steigt auch der ETF und fällt der DAX, fällt natürlich auch der ETF. Allerdings sollte man bei der Auswahl eines ETFs darauf achten, dass man nur “voll replizierte” ETFs kauft und keine “swap-basierten” o.ä.!. Es klingt kompliziert, bedeutet aber letztlich nur, dass in dem ETF auch wirklich die echten Aktien der DAX-Unternehmen gekauft werden und nicht nur Zertifikate, diese sind nämlich bei einer Pleite der Bank oder Gesellschaft nichts mehr wert. Manchmal werden auch andere Bezeichnungen verwendet z.B. “vollständig” (gut bzw. echte Aktien) und “synthetisch” (nicht gut, nur Zertifikate). Die Info steht bei der Beschreibung zum ETF immer mit dabei!

ETF auf den DAX (Deutscher Aktienindex)
ETF auf den DAX (Deutscher Aktienindex)

Aktiv verwaltete Fonds und die Gebühren

ETF sind im Vergleich zu aktiv verwaltete Fonds einfach gestrickt und kommen daher ohne hohe Gebühren oder komplexes Management aus. Daher sind sie auch vergleichsweise günstig zu haben und besitzen im Gegensatz zu normalen Fonds nur einen geringen oder sogar keinen Ausgabeaufschlag (eine Art Kaufgebühr). Denn es lohnt sich bei Fonds immer auf die Gebühren zu achten.

Bei besonders teuren Fonds – i.d.R. zählen ETFs nicht dazu – fallen locker bei manchen Banken oder Fondgesellschaften 5 % Ausgabeaufschlag + jährliche Verwaltungsgebühren von 2-3 % an. Damit muss der Fond mind. 7 % pro Jahr Rendite erwirtschaften um wenigstens bei +/- Null rauszukommen, also um am Ende nicht noch draufzahlen zu müssen. Dazu kommt, dass längst erwiesen ist, dass die meisten aktiven Fonds es nicht schaffen den Markt – also z.B. Indizes wie den DAX oder Dow Jones – zu schlagen. Somit verdienen sie bei vielen aktiv verwalteten Fonds vermutlich keinen Cent und zahlen im Gegenzug sogar noch drauf. Daher sind ETFs für Einsteiger ganz klar vorzuziehen. Übrigens hatte der DAX im Jahr 2017 ein sehr erfolgreiches Jahr und konnte durch Kurssteigerungen und ausgeschütteten Dividenden (das sind z.B. übrige Gewinne die Unternehmen an ihre Anleger ausschütten) eine Rendite von ca. 12,5 % (man denke an die 0,5 % Zinsen beim Tagesgeldkonto) erwirtschaften.

Depot und Sparplan einrichten

Bank
Bank

Um die Chance zu bekommen, mit ETF-Sparplänen an solchen verlockenden Renditen teilhaben zu können, benötigt man lediglich eine Depot bei einer Bank. Ein Depot ist letztlich nur das “Lager” für die Wertpapiere. Egal ob in Einzel-Aktien, Einzel-Anleihen oder Fonds (inkl. ETF-Sparpläne), immer wird ein Depot benötigt. Es ist wie das Girokonto auf dem das Geld angezeigt und verwaltet wird, so werden im Depot die Wertpapiere (z.B. ETF-Fondanteile) aufbewahrt.

 

Die Einrichtung eines Depots ist genauso einfach, wie die eines Tagesgeld- oder Girokonto. Aber auch hierbei sollte man immer die Gebühren im Blick behalten, je geringer desto besser. Viele Direktbanken bieten Depots zum Nulltarif an. Vielleich ja bereits die eigene Bank, dann hat man Girokonto und Depot quasi nebeneinander. Direktbanken haben zudem den Vorteil, nur vergleichsweise geringe Ordergebühren für den Kauf oder Verkauf von Fondanteilen oder den Abschluss eines Fondsparplans. Einige Banken bieten dies sogar kostenlos an. Am besten einfach mal im Internet nach “Depot” oder “Broker” + “Vergleich” oder “Test” suchen und dann gerne auch bei bekannten Direktbanken ein Depot eröffnen.

Und dann kann es auch schon losgehen, einfach mal auf der Webseite ihrer ausgewählten Bank nach den Rubriken Wertpapiere, Fonds und ETFs suchen. Fündig wird man auf alle Fälle. Die meisten Banken bieten Suchmachschinen für Fonds und ETFs auf ihren Internetseiten. Hat man sich dann für einen bestimmten ETF Sparplan entschieden, kann man diesen direkt einrichten. Wie bereits erwähnt, genügt bereits eine monatliche Sparrate von 25 Euro oder 50 Euro je nach Bank. Wenn man mehr investieren möchte, kann man dies natürlich tun. Bei der Geldanlage gilt der Spruch “viel hilft viel”. 😉

Eine Warnung zum Schluss, aber dennoch “cool bleiben”

Gewinn & Risiko
Gewinn & Risiko

Bei aller Euphorie zur Börse sei jedoch gesagt, dass es jeder Zeit auch wieder zu einer Rezession oder Crash mit fallenden Kursen kommen kann, dann könnte es passieren, dass auch mal über längere Zeit hinweg (auch Jahre sind möglich!) ein negatives Vorzeichen bei den Kursverlauf steht und damit statt Gewinne leider Verluste aufgeführt werden. Solange man jedoch nicht verkaufen muss, kann man diese Durststrecke getrost aussitzen, zumindest solange man nicht daran glaubt, dass das gesamte Finanzsystem zusammenbricht. Denn “real” werden Verluste erst dann, wenn man verkauft und den Verlust realisiert. Das gilt übrigens natürlich auch für Gewinne. Erst beim Verkauf der eigenen Anteile hat man das Geld wieder in “Bar” auf den Konto, ansonsten ist es lediglich eine Momentaufnahme des aktuellen Wertes der Fondanteile, welcher jeden Tag etwas unterschiedlich sein wird.

Und nun viel Spaß und steigende Kurse beim ersten ETF Sparplan!

 

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